Offener Brief an den Otto-Versand, 22172 Hamburg

Als Unterzeichner könnt ihr euch in die Kommentare auf der Seite des Landesverbandes eintragen.
Sehr geehrte Damen und Herren,

zufällig sind wir heute in Ihrem Onlineshop auf ein Mädchen T-Shirt mit dem Audruck »In Mathe bin ich Deko« gestoßen, welches es in dieser Form auch tatsächlich nur für Mädchen zu geben scheint.

Dieser Aufdruck ist ein klassisches Beispiel für Diskriminierung und Alltagssexismus, wie ihn Frauen täglich erfahren müssen. Dies beginnt leider schon in der Kindheit, indem Jungen und Mädchen unterschiedlich erzogen werden.

Wie Sie aus diesem Artikel entnehmen können, sind Jungen und Mädchen mathematisch gleich begabt, sofern »niemand ihnen eine Rechenschwäche einredet«. Genau das tun aber T-Shirts mit derartigen Sprüchen. Sie suggerieren, es sei »normal«, wenn Mädchen in Mathematik weniger gut sind, und versuchen hier, einen lauen Witz auf Kosten des Selbstbewusstseins junger Mädchen zu machen.

Uns ist völlig unerklärlich, was Eltern sich dabei denken, ihren Töchtern ein derartiges Kleidungsstück zu kaufen. Wir vermuten jedoch, die Antwort ist simpel: nichts. Umso mehr würden wir von einem Versandhaus Ihrer Größe und Ihres Standes erwarten, dass Sie solchen Unsinn nicht unterstützen.

Beachtlich ist dabei, dass Sie durch Ihr T-Shirt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung unterstützen. Die PH Ludwigsburg beschreibt dies in einem Text, in dem sie auf die Erwartungshaltung und veraltete Rollenmodellhypothesen Bezug nimmt:

»Die ältere Rollenmodellhypothese ging davon aus, dass Mädchen niedrigere Leistungserwartungen über das Vorbild des geschlechtsspezifischen Elternverhaltens entwickeln. Die Erwartungshypothese, der heute der Vorzug gegeben wird, besagt, dass Eltern unterschiedliche Erwartungen hinsichtlich der Fähigkeiten ihrer Töchter und Söhne zeigen (Beermann, Heller & Menacher 1994). Ganz allgemein messen sie der mathematischen Befähigung der Söhne eine größere Bedeutung bei. Die Übermittlung positiver elterlicher Leistungserwartungen ist somit ein wichtiger Einflussfaktor.
Ähnliche Ergebnisse liegen für den Einfluss der Erwartungen von Lehrpersonen auf das Selbstvertrauen der Mädchen im Fach Mathematik vor (Keller 1998; Tiedemann 1995).«

Dies wird durch verschiedene Studien untermauert, weswegen wir dem beschriebenen Kleidungsstück noch deutlich weniger Verständnis entgegen bringen.

Gerne empfehlen wir Ihnen alternative Sprüche zum Bedrucken von Mädchen-T-Shirts: Wir würden uns freuen, wenn Sie diese stattdessen ins Programm nehmen würden, um Ihren Teil zu einer weniger diskriminierenden Gesellschaft beizutragen:

http://www.thinkgeek.com/product/6f63/
http://www.thinkgeek.com/product/e58d/
http://www.thinkgeek.com/product/6f59/
http://www.thinkgeek.com/product/8f6f/
http://www.thinkgeek.com/product/8333/
http://www.thinkgeek.com/tshirts-apparel/womens/

Mit freundlichen Grüßen

Lisa Collins, Bundestagskandidatin der Piratenpartei im Wahlkreis Ulm
Sven Krohlas, Bundestagskandidat der Piratenpartei (Listenplatz 2 Baden-Württemberg)
Christian Alkemper, Bundestagskandidat der Piratenpartei im Wahlkreis Karlsruhe-Land
Andreas Bergholz, Bundestagskandidat der Piratenpartei im Wahlkreis Konstanz
David Dorst, Vorstandsvorsitzender Piratenpartei Ulm/Alb-Donau-Kreis
Jens Fuchs, Schatzmeister Kreisverband Karlsruhe-Land
Florian Zumkeller-Quast, Bundesvorsitzender Junge Piraten
Martin Lange, Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Baden-Württemberg
Stefan Täge, Landespressesprecher Baden-Württemberg
Marco Geupert, Basispirat
Kevin Honka, Basispirat mit Beauftragung
Ute Hauth, stellvertretende Vorsitzende Landesverband Baden-Württemberg


Kommentare

24 Kommentare zu Offener Brief an den Otto-Versand, 22172 Hamburg

    • David meinte am

      Ich musste btw. ne ganze weile suchen bis ich geschnallt hab wo steht, dass es für Jungs ist 😉

      Dir fällt kein Unterschied zwischen den Angeboten auf?

  1. Nick Marquardt meinte am

    Sehe ich definitiv nicht so. Niemand wird gezwungen solche T-Shirts zu kaufen. Nur weil ein Shop etwas anbietet, was ja scheinbar auch Absatz findet, heißt das wohl noch lange nicht, dass damit systematisch Frauen/Mädchen diskriminiert werden sollen. Wie ihr richtig feststellt beginnt Diskriminierung schon während der Kindheit. Welche Personen prägen denn da die Kinder? Zuerst natürlich die Eltern, aber dann doch wohl auch die Lehrer. Gibt es aber nicht wesentlich mehr Grundschullehrerinnen, als Grundschullehrer? Soll das auch schon eine Diskriminierung sein?
    Oder sowas hier http://www.spreadshirt.de/jungs-sind-doof-kinder-bio-t-shirt-C4408A11543880, ist das Diskriminierung? Soll ich jetzt auch einen offenen Brief schreiben, indem ich prophezeie, dass das Selbstbewusstsein von Jungs untergraben wird und sie systematisch diskriminiert werden? Ein solcher Artikel wäre dann wohl genauso ein Humbuck, wie euer Brief.
    Alles in allem würde ich mir manchmal einfach wünschen, dass man nicht gleich bei allem die „Diskriminierungskeule“ schwingt.

    • Ein Pirat meinte am

      Und wenn es ein „ich bin ein dummer Neger“ Shirt gewesen wäre? Ist doch auch witzig? Oder?

      Grenzwertig ist das Ding auf jeden Fall, weil es – anders als das Matheallergiker-Sweatshirt – deutlich feminin geprägt ist, also einen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht und der Aussage herstellt.

      Geschlechtsneutral wäre es weniger problematisch, aber verantwortungslos sind die Shirts eigentlich beide, da man auf diese Weise so tut, als wäre die Unwilligkeit sich mit Mathe zu beschäftigen irgendwie angeboren oder nicht zu ändern. Das ist aber gerade nicht der Fall!

  2. Markus meinte am

    Feedback gibts hier[1] zur Genüge.

    Tipp: Diese (Sinnlos-)Aktion kam nicht gut an.

    [1] https://www.facebook.com/PiratenparteiDeutschland/posts/497599210297516

  3. TwistedTacco meinte am

    Habt ihr keine wichtigeren Themen als ein T-Shirt aus einem Online-Shop? Wie man anhand der Kundenrezensionen sehen kann, scheinen sich die Eltern doch etwas dabei gedacht zu haben: Unterhaltung, Witz, Ironie. So. Und jetzt konzentriert euch bitte auf sowas wie Wasser als Menschenrecht, Stuttgart 21, BER oder was weiß ich. Aber bitte nicht um Kindermode von Otto … Ich empfehle außerdem einen Blick auf den Facebook-Kanal der Piraten, um weitere Kritik zu lesen. So macht ihr euch keine Freunde, pardon, Wähler.

  4. nagumo meinte am

    Grossartig! Auch wenn Otto es mit ziemlicher Sicherheit ignorieren und die Presse darueber nicht berichten wird, ist es wichtig, dass solche Briefe geschrieben werden und auf so eine Scheisse aufmerksam gemacht wird. Und wenn ich jetzt schon wieder die affigen Kommentare auf FB lese, dass das doch unntoetig sei und ihr nichts besseres zu tun haettet…. , ihr macht das genau richtig so!

  5. IchNichtDu meinte am

    Irgendwie zu peinlich von euch das ganze! Sehr arg überzogen, kein Wunder dass die Politik euch immer noch nicht ernst nimmt.

  6. Sebastian Jurk meinte am

    Ok, sachliches Argument. Wo bleibt der Aufschrei über dieses ähnliche Jungenshirt? Zweierlei Maß?
    Und überhaupt… von einem Klischee dass Mädchen schlechter in Mathe wären höre ich hier zuerst. Für mich war das einfach als geschlechtsneutraler Scherz erkennbar. Bitte nicht mehr reindeuten als nötig…
    http://www.otto.de/CFL-Langarmshirt-Matheallergiker/shop-de_dpip_AKL12939394/?ArticleRef=536672W-128-1001&expId=1001&FromSearch=true#productList=pageNumber,1,pageSize,100,articleCount,258,articlePosition,106;productListFilter=gsselect,KKO_NG-4-23.,countMainNavigationEntries,0;search=queryText,cfl%20jungen

  7. Sehr gut. Ihr habt meine volle Unterstützung!

  8. boeserhassan meinte am

    hier lest mal selber was ihr mit diesem seltsamen gebaren für kritiken bekommt. *spoiler*
    es gibt durchaus leute die diese form von symbolpolitik „scheisse“ finden. entschuldigt mein klatschianisch

    https://www.facebook.com/PiratenparteiDeutschland/posts/497599210297516?comment_id=4976470&notif_t=like

  9. Ralf meinte am

    Gibts keine echten Probleme? Wirtschaftskrise, Eurokrise, Amokläufe, Umweltzerstörung, Klimawandel, Energiewende, Berliner Flughäfen, Stuttgarter Bahnhöfe…. .. aber nein hier wird sich über ein T-Shirt aufgeregt. Ja, so wird wichtige Politik gemacht .oO – Kauft das Shirt nicht wenn es nicht gefällt und gut ist.

  10. rina meinte am

    habt ihr nichts besseres zu tun als in online shops zu gucken,was es für sexistische shirts für kinder gibt(die m.e.witzig sind).das nenn ich mal arbeiten.und dafür bezahlen wir noch steuern.kümmert euch lieber um wichtigere ding(z.b.das die kinder die diese shirts tragen,später auch mal rente kriegen und nich arbeiten müssen bis sie tot umfallen)

    • David meinte am

      Wenn es dich und die anderen Kommentatoren beruhigt: ca. 20 Leute haben ca. 15 Minuten gebraucht das Ding fertig zu kriegen, mit Freigabe, Lektorat, Quellensuche, Diskussion über Randaspekte etc. Weder hat uns das in sonstiger Arbeit eingeschränkt (geplant war da nichts), noch hat es die gesamte Partei gebunden. Wir erwarten eure Anregungen zu Themen mit Analyse und Erörterung im Pad dafür 🙂

  11. Feindflug meinte am

    Jetzt geht der „political correctness“ Scheiß auch bei euch los.
    Das T-Shirt bzw. die Auswahl ist nicht diskriminierend, es sind die Leute, die denken, es wäre so. Schubladendenken ablegen, bitte.

    Ich kann diesen ganzen Binnen-I, korrekt gegenderten, gleichberechtigten Gehirnfurz nicht mehr hören. Wenn die Leute mal aufhören würden über Diskriminierung zu reden, würden sie feststellen, dass sie bis auf ganz wenige Ausnahmen schon längst bekämpft ist und das man in vielen Bereichen schon zu weit gegangen ist. Wenn nicht mehr nach Qualifikation, sondern nach Quote gegangen wird, dann ist DAS diskriminierend.

    Gibt es eine Quote für männliche Hebammen?

    • David meinte am

      Ich kann dir soviel dazu sagen: Die beteiligten Ulmer sind – wenn ich das richtig im Kopf hab – allesamt gegen Quoten und können weder mit dem Binnen-I noch mit sonstigem Gegender besonders viel anfangen. Es gibt natürlich auch Ulmer die das schon können, aber die waren, soweit ich die Mitarbeiter im Kopf hab nicht beteiligt. Natürlich hast du Recht, das die Auswahl nicht das Grundproblem ist, das Problem ist aber das Otto die zentrale Anlaufstelle bietet. Weder ist eine Kundenabfrage möglich noch sinnvoll. Im Zweifel reagiert Otto auch überhaupt nicht (das ist btw. der Grund für „Namen und Titel“ ;)), vielleicht erweitern sie einfach ihr Angebot – auch was gewonnen – auf jedenfall gab es Aufmerksamkeit. Die kann gezielt hier hilfreich sein, weil eben plötzlich Otto nicht mehr alleiniger Empfänger ist, sondern viele etwas vor die Nase gehalten kriegen. Man muss uns dabei nicht zustimmen, das steht jedem selber frei, aber hey – die Debatte läuft.

  12. janine.jensen@gmx.de meinte am

    Habt ihr sonst keine Probleme? Ich hätte es auf jeden Fall getragen 😀 Und meine Tochter will auch so eins… Ein bißchen Selbstironie hat noch niemanden geschadet!

  13. Pingback: Otto…find ich…gut?!? | Daily textinette

  14. Gaby B. meinte am

    Ich würde dieses kindische Theater ja als lächerlich abtun – aber ich sehe trotz aller willkürlichen Ablenkungsmanöver ganz deutlich, wie diese Sexismus-Massenhysterie ganz gezielt eingesetzt wird, um das Volk (erschreckend erfolgreich) von den viel wichtigeren und für Gleichberechtigung und Demokratie um ein Vielfaches gefährlicheren Problemen abzulenken. Mensch, Leute, merkt ihr denn nicht, in welch infamer Weise ihr manipuliert werdet?! Wacht doch endlich auf und benutzt eure Energie und eure Netzwerke für die WIRKLICH überlebenswichtigen Dinge!

  15. Robert meinte am

    Hallo, Euer offener Brief an den Otto-Versand hat Euch den Hohlbirnen Award 2013 bei Adultking.com eingebracht. Herzlichen Glückwunsch

  16. Doch es gibt für Mädchen aus Mädchenschulen auch spezielle Hindernisse zu überwinden. So stehen die meisten von ihnen unter mehr oder weniger starkem „Legitimationszwang“, fanden die beiden Augsburger Wissenschaftlerinnen heraus. Das liegt daran, dass reine Märchenschulen etwas Exotisches geworden sind. Wie die Professorin Leonie Herwartz-Emden sagt, ist ihr Anteil heute verschwindend gering. Knapp 38.000 allgemeinbildende Schulen gibt es in Deutschland. Nur noch 163 davon sind reine Mädchenschulen. Bundesweit am höchsten ist der Anteil in Bayern: Mehr als jede zweite Mädchenschule befindet sich im Freistaat. Bei den meisten handelt es sich um Privatschulen in kirchlicher Trägerschaft.

  17. Wenn es nach den Piraten geht, hat sich das Versandhaus modisch grob verrechnet – was meinen Sie: Fördert der Spruch die Einstellung, dass Mädchen sich in Mathe gar nicht erst anstrengen brauchen, solange sie hübsch sind? Oder fehlt es den Politikern einfach an Humor?

  18. Wie Sie aus diesem Artikel entnehmen können, sind Jungen und Mädchen mathematisch gleich begabt, sofern »niemand ihnen eine Rechenschwäche einredet«. Genau das tun aber T-Shirts mit derartigen Sprüchen. Sie suggerieren, es sei »normal«, wenn Mädchen in Mathematik weniger gut sind, und versuchen hier, einen lauen Witz auf Kosten des Selbstbewusstseins junger Mädchen zu machen.

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